Der alte 140 PS Benziner mit 16-Ventil-Technik machte aus dem wohlgeformten und gut gemachten Offroader alles andere als eine Granate. Man wünschte sich instinktiv mehr Power. Die ist nun da. Der neue 2,4-Liter-Motor mit 124 kW/169 PS, der in der Automatikversion, die wir testeten, nach Werksangaben 9,7 Liter verbrauen soll, kann alles besser. Im Testbetrieb schlugen die 29 zusätzlichen Pferdestärken dann mit einem Verbrauch von zwölf bis 13 Litern in der Stadt zu Buche. Mit 227 Newtonmetern Drehmoment, die bei 3.800 Umdrehungen anliegen, will das neue Triebwerk zwar immer noch gedreht werden, hat aber beim Spaßfaktor erheblich dazugewonnen.
Der Rest vom Grand Vitara der dritten Generation war schon immer dufte. Bereits auf der Frankfurter Automesse IAA im September 2005 wurde die nunmehr dritte Generation des Offroaders vorgestellt und hat seitdem nichts an Attraktivität eingebüßt. Das Vorgängermodell war noch ein traditioneller Geländewagen mit Leiterrahmen, einer starren Hinterachse, längs eingebautem Motor und einem starr zuschaltbaren Allradantrieb. Das aktuelle Modell hat zeitlosen Stil, die Linienführung ist angenehm modern und dennoch in keiner Weise zeitgeistig oder schwülstig.
Der Allradantrieb wurde gegenüber den Vorgängern vollständig erneuert: Er hat jetzt ein Zentraldifferenzial und ist damit erstmals bei Suzuki permanent nutzbar. Das heißt, anders als bei vielen Einsteiger-Offroadern wird die Vorderachse nicht erst dann angetrieben, wenn die Hinterachse durchdreht oder umgekehrt: Beide Achsen bekommen einen Anteil der Motorkraft zugeteilt. Wie bei den echten Offroadern vom Schlage der Mercedes G-Klasse lässt sich auch das Differenzial sperren. Böschungswinkel von 29 Grad vorn und 27 Grad hinten, eine Bodenfreiheit von 20 Zentimetern lassen den Grand Vitara auch Offroad immer gut aussehen. Trotz modernen Fahrwerks – McPherson-Federbeine vorn und eine Mehrlenkerhinterachse – kann der Grand Vitara kurze und lange Querfugen Onroad gar nicht gut leiden. In Kurven oder bei schnellem Spurwechsel neigt sich der 1,69 Meter hohe, komfortbetont ausgelegte Vitara. Bevor es gefährlich werden kann, greift ein serienmäßiges ESP ein. Die Sicherheitsausstattung ist ausreichend: Sechs Airbags, ABS und Isofix-Kindersitzhalterungen für die Kleinen fahren serienmäßig mit. Im NCAP Crashtest erhielt er zehn von möglichen 14 Sternen.
Der Qualitätseindruck im Innenraum ist sehr gut, und das klare Design des Äußeren setzt sich hier fort. Das Cockpit ist klasse, da sticht der mit Multifunktions-Touch-Screen-Display ausgestattete Testwagen positiv hervor, denn meine Umgebung auf dem Fahrersitz macht Freude. Es dominiert Schwarz mit silbernen Akzenten. Die gut erreichbaren Knöpfe und Drehregler geben keine Rätsel auf und sind intuitiv zu bedienen.
Den Zugang zum Gepäckabteil erreiche ich durch eine rechts angeschlagene Hecktür. Das ist nicht immer praktisch, denn als hinter mir ein Auto dicht eingeparkt steht, lässt sich die Tür kaum öffnen. Jenseits praktischer Erwägungen finde ich die Tür einfach cool. Das Kofferraumvolumen ist knäpplich bemessen, weniger als Mittelklasse-Kombis zu bieten haben: 398 Liter – gemessen bis zu Fensterunterkante – sind es bei fünf Personen, oder die Kinder bleiben zu Hause und es können bis zu 1.386 Liter geladen werden. Einen Grand Vitara 5-Türer kann man ab 26.900 Euro Listenpreis erwerben. Das ist kein Wild-West-Preis, wie mir scheint …