Vans geizen üblicherweise mit stilistischem Glanz: ein Bug mit einer Kiste dran und vier Räder darunter. Und an das Heck machen wir ’ne große Klappe. So etwas darf sich natürlich nicht Picasso nennen. Seit sich die Marke den neuen Slogan „Créative Technologie“ und ein überarbeitetes Logo, das weiter zwei ineinander greifende Zahnräder symbolisiert, verpasst und sich bei der Familie Pablo Picassos die Namensrechte gesichert hat, greift auch beim Design von Vans alles gut ineinander: Design, Technik und Nutzwert setzen Standards.
Der bullige Bug mit den crazy geschnittenen Scheinwerfern, die verspielte Frontscheibe und die ebenfalls ungewöhnliche Form der Heckleuchten peppen die Van-Grundform bei diesem Mini-Van erheblich auf. Der Testwagen hat zudem coole Alufelgen, bei denen man sich wundert, dass den Designern trotz der Vorgabe, dass ein Rad rund zu sein hat, doch noch immer etwas Neues einfällt. Das Gesamtergebnis der Design-Kur wirkt spritzig und macht Lust aufs Probefahren. Innen erwartet mich ein hervorragendes Raumgefühl, das nicht zuletzt einigen Quadratmetern Glasfläche und einer Höhe von 1,63 Metern geschuldet ist. Nicht nur vorn hat man dieses luftige Feeling, nein auch die Hinterbänkler freuen sich über reichlich Bein- und Kopffreiheit. Dahinter ist sogar noch einmal Platz für einen halben Kubikmeter Gepäck. Der Kasten ist somit 100-prozentig familien- und freizeittauglich.
Der mit dem 80 kW / 109 PS HDi 110 FAP-Diesel-Motor versehene Testwagen in Exklusive-Ausstattung hat mit 245 Newtonmeter bei 1.750 Umdrehungen ausreichend Drehmoment und daher mit dem rund 1,4 Tonnen schweren Fahrzeug keine Mühe, ist aber auch mit 21.700 Euro eine recht teuere Variante. Ab 14.900 Euro geht es mit dem preiswertesten Vti 95-Benziner, wenig Ausstattung und 70 kW / 95PS los. Der Selbstzünder verleugnet nicht, dass er Öl verbrennt, macht aber durchaus Spaß, zieht gut aus dem Keller, benötigt 12,4 Sekunden, bis 100 anliegen. Subjektiv geht es flinker zu. Die Lenkung könnte noch ein wenig mehr Gefühl vermitteln, dann wäre der Fahrspaß nahezu perfekt.
Das Geräuschniveau liegt durch gute Dämmung und ein sehr gut gedämpftes Fahrwerk unter Klassenniveau. Auch die Windgeräusche auf der Autobahn bei Höchstgeschwindigkeit – Citroën gibt 183 Sachen an – sind erfreulich gering. Zudem federt der Picasso ordentlich und bequem, was aber in schnellen Kurven durch hohen Aufbau auch zu entsprechenden Wankbewegungen führt. Als Reisewagen ist der C3 mithin bestens geeignet – und für den Nürburgring ist er ja nicht gemacht. Noch schöner wäre ein als Schongang ausgelegter sechster Gang. So sind es nur fünf, aber die sind gut geführt und rasten sauber ein. Aber auch in der City hat der C3 was auf dem Kasten: Wendekreis und übersichtlichkeit lassen keine Wünsche offen, und so lässt sich das Raumwunder wieselflink durch die urbane Erlebniswelt dirigieren.
Im Test kam ich auch nach 1.000 Kilometern in den unterschiedlichsten Fahrzuständen nie über sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer. Die Werksangabe von fünf Litern erreiche ich aber auch nicht. Das ist angesichts von 1.408 Kilogramm Gewicht, der Stirnfläche und der in diesem April bereits stets in Aktion befindlichen Klimaanlage ein Wert, den ich gelten lasse. Einmal volltanken für 40 Euro brachte mich gut 700 Kilometer weit. Kommt der Picasso mal in die Jahre und eine Neuauflage der Abwrackprämie steht an, lassen sich 95 Prozent des Fahrzeuggewichts wiederverwerten: umweltmäßig also auch alles Picasso!