Trotz allem wurde die DS zum Sinnbild dessen, was moderner Automobilbau sein kann. Schauspieler wie Jean Gabin, Louis de Funès und Alain Delon – als eiskalter Engel klaut er sie für seine bösen Taten – fuhren sie in ihren Filmen, und Charles de Gaulle rettete sie bei einem Attentat das Leben. Der gallische Präsident konnte sich nach einem Angriff im vollkommen von Kugeln durchsiebten Wagen retten, weil die Hydraulik der DS zwei platte Reifen ausglich – und sie einfach weiterfuhr.
So wurde die Göttin zur Legende – und ist bis heute noch eines der schönsten Automobile aller Zeiten. Ein Exemplar hat es sogar bis ins Museum of Modern Art in New York geschafft – als Nachbarin eines Jaguar E-Type. Jeden Tag sehen wir Werbefilme oder Musikvideos mit einer DS – so ein Auto müsste neu erschaffen werden. Ich wuchs mit einer DS auf und fuhr mit der Familie in einem Break – so heißen bei Citroën die Kombis – in die Ferien. Nun chauffiere ich seit über zehn Jahren selbst das genialste Auto der Welt. Die erste ist vom Rost gefressen worden, meine aktuelle 69er DS 21 Pallas braucht alle paar Jahre etwas neues Blech und ein bisschen frischen Lack. Dazwischen reiche ich meiner leicht inkontinenten alten Dame allerlei Flüssigkeiten: ab und zu etwas Wasser, ein Schlückchen Öl und natürlich die gute grüne Sauce, sprich Hydraulik-Flüssigkeit LHM.
Einsteigen, mit dem Ganghebel anlassen. Sie erhebt sich hinten und dann ganz gemächlich vorn. Auf den Bremsknopf treten und dann den ersten Gang einlegen. Es pifft, und beim Einlenken gibt es ein zischendes Geräusch, das jeder DS-Fan liebt – die Göttin setzt sich in Bewegung. Auch noch heute ist das Fahrgefühl unbeschreiblich – sie schwebt und sie lebt …
-r2m/Gerd A. Schaefer-