Blech-Traum: BMW Z4 Roadster


Lange Motorhaube - viel dahinter

Fotos: BMW
Schnörkelloses, puristisches Interieur
Lange Motorhaube und Stummel-Heck, trotzdem Platz für eine Blechdach-Konstruktion

Roadster ist die Steigerung von Sportwagen. Die Nachricht allein, dass ich den Z4 testen darf, beschleunigt schon den Puls. Der Testwagen ist ein Z4 sDrive 23i. Zwei weitere Motorvarianten mit je 258 und 306 PS können bestellt werden. Doch das vorweg: Der Wagen ist auch mit den Basis-Treibsatz alles andere als eine Enttäuschung. Unter der optisch vielleicht längsten Motorhaube der Welt werkelt ein 204 PS (150 kW) starker 2,5 Liter 6-Zylinder, der Euro 5 erfüllt. Der Testwagen mit serienmäßigem 6-Gang-Schaltgetriebe und ist auch sonst nicht vollgestopft mit Extras, sogar iDrive fehlt. Der Mangel an Spielereien lenkt nicht von dem feinen Innenraumdesign ab, das sich den reddot design award 2009 zu recht erwarb.

 

Die Front ziert eine prächtige und mächtige BMW-Niere, das Heck ist rund und gefällig. Die Insassen sitzen fast auf der Hinterachse. Dass sich in diesem Blechkleid auch noch 310 Liter Kofferaumvolumen verstecken, verblüfft. Der aktuelle Z4 legte in der Länge um 25 und in der Breite um zehn Zentimeter zu – trotzdem kein Gramm Fettansatz. Mit nach 20 Sekunden elektrohydraulisch verstautem Dach verbleiben noch 180 Liter Gepäckvolumen. Wer vom alten Z4 umsteigt, muss nun auf das Stoffmützchen verzichten, denn ab jetzt entfaltet sich Stahl über den Häuptern der zahlungskräftigen Kundschaft, die nur zwei Sitzplätze benötigt. Open Air ist das tolle, heisere Röhren, das der hochdrehende Sechszylinder verbreitet, so richtig zu vernehmen. Die Ingenieure haben einen perfekten Kompromiss aus emotionalem Sound und akustischer Schonung der Umwelt gefunden. Geschlossen, auf der Autobahn weiß ich den Komfortvorteil des festen Dachs in akustischer Hinsicht zu schätzen. Die Sichtverhältnisse sind auch geschlossen gut.

 

Das Getriebe verwöhnt mit kurzen Schaltwegen, auch wenn ich es mir noch eine Spur leichtgängiger vorstellen könnte. Der Anzug ist herrlich, der Wagen hängt perfekt am Gas, weniger als sieben Sekunden vergehen bis zur magischen 100-Kilometer-Marke, bei 242 Sachen wäre Schluss. Daran ist schon deutlich abzulesen, dass mehr Power kein Muss ist. Roadster heißt auch, dass Bandscheibenpatienten besser die Finger davon lassen: Das beginnt schon beim Einstigen, wo man sich über den Türschweller in den Sitz fallen lassen – und umgekehrt heraushieven – muss und geht bei einer makellosen, aber harten Fahrwerksabstimmung weiter.

 

Bei uns in Norddeutschland sind kurvenreiche Strecken mit Terrainunterschied, die zur Kurvenhatz einladen, eher Mangelware. Soweit ich das im hamburger Umland wenigstens ansatzweise simulieren kann ohne meine Sorgfaltspflicht zu verletzen, ist der Z4 ein hundertprozentiges Spaßmobil. Das Fahrwerk lässt sich verstellen: Während in Normalstellung ein Hauch von Komfort durchs Cockpit zieht, wirds bei Sport hart und bei Sport + bretthart. Sport + habe ich fast nie benutzt. Das ist für normale Straßen einfach nichts. Was sich in Kurven als Direktheit der Lenkung manifestiert, wirkt auf der Autobahn beim schnellen Geradeauslauf ein wenig nervös. Alles in allem dominiert eine fantastische Direktheit, die im Zusammenspiel mit Luft und Wind wirklich alle Sinne anspricht. Ich habe während der Testtage nicht ein einziges Mal Radio gehört, weil man von dem Auto einfach nicht genug kriegen kann.

 

8,5 Liter Superbenzin sollen nach Werksangabe durchschnittlich durch die Brennräume laufen, damit 100.000 Meter Fortbewegung erzielt werden. Bei Sportwagen sollte man solche Werte nicht zu ernst nehmen, weil die persönliche Fahrweise den Verbrauch bestimmt. Dafür ist der Z4 gemessen in Spaß pro Meter kaum zu schlagen.