Ein Colt für alle Fälle


Mitsubishi Colt CZC - Pizza Coltzone

Foto: Mitsubishi

Wenn es Primavera wird, schlägt die Stunde des multifunktionalen Ganzjahresautos Mitsubishi Colt CZC.

Die Japaner gehen dazu über, ihre Fahrzeuge in Sachen Design in Europa modellieren zu lassen. Toyota betreibt ein Designzentrum in Südfrankreich und Mitsubishi ließ sich im Land von Pizza und Pasta bei Pininfarina ein Blechkleid für den Colt CZC schneidern. Das erste Platznehmen ist angenehm. Dadurch, dass die Basis für den CZC der längere, fünftürige Colt ist, bietet er mehr Beinfreiheit als der vergleichbare Peugeot 207 CC. Sobald ein Schimmer von Sonne über dem Himmel huscht, öffne ich das Dach und wage offene Test-Kilometer. Trotz konstruktionsbedingt weit nach hinten gezogener Frontscheibe bleibt noch genug Cabrio-Feeling - kein Scheibenrahmen schwebt wie eine Drohung über einem - und der Einfall des Fahrtwindes ist auch ohne Windschott bei Stadttempo recht angenehm. Hübscher ist der CZC offen allemal - geschlossen hat er wie viele Stahldachcabrios, deren Dach aus zwei Teilen besteht, diese verschobenen Proportionen mit einem pummeligen Hinterteil.

 

Die Abfolge der einzuhaltenden Schritte für die Bedienung der Dachkonstruktion, die von der Webasto-Tochter OASys stammt, sollte man kennen, denn das Wunderwerk der Technik zickt schon mal. Dann heißt es, trickreich an der richtigen Stelle wieder einsetzen, damit das ganze nicht wie ein Orchester ohne Dirigent durcheinandergerät. Während des fast 25 Sekunden dauernden Vorgangs piepst die Elektronik herzerweichend. Leider liegen die Schalter für auf und zu des Daches direkt neben denen für die Fensterheber. Ein falscher Griff und der ertönende Warnton geht einem durch Mark und Bein. Die Faltung ist gut gemacht, auch wenn das ganze filigran und empfindlich wirkt. Mit versenktem Dach bleiben noch 190 Liter Kofferraum übrig. Und in geschlossenem Zustand könnte gar mehr Chianti gebunkert werden als in einem Audi A4 - 460 Liter beträgt das Ladevolumen. Ganz schön große Klappe, Kleiner!Der 109-PS-Motor bewegt das Fahrzeug flott und mühelos, wobei die Geräuschentwicklung im Stadtbetrieb moderat wahrnehmbar ausfällt. 10,5 Sekunden dauert der Sprint bis 100 und bei 185 Sachen ist Schluss. Die innerorts angegebenen 8,7 kann ich bei flotter Gangart bestätigen, außerorts komme ich aber auch bei 100 bis 130 Sachen auf der Autobahn nicht unter 7,5 Liter, so dass ich der Werksangabe von kombinierten 6,6 Litern Durchschnittsverbrauch misstraue, was eine Folge des Fahrzeuggewichts von rund 1.200 Kilogramm ist. Die Struktur der Karosserie wurde vielfach versteift, was Gewicht bedeutet. Ergebnis: offen und auf buckeligem Kopfsteinpflaster keinerlei Verwinden oder Ächzen.

Zwei Mal 170 Kilometer Testfahrt auf Autostrada und Landstraße bei strömendem Regen und Sturm zeigen, dass ein Metalldach statt einer Stoffmütze eine gute Wahl ist: keine Windgeräusche und kein Gedanke an Undichtigkeiten. Die Traktion ist auch bei hohen Geschwindigkeiten und extremer Nässe erstklassig und die Straßenlage trotz recht hohem Schwerpunkts auch auf Landstraßen sehr gut. Ab 140 Sachen Dauertempo wird der Kleine aber zur Dröhndose, denn der 109-PS-Motor legt seine akustische Zurückhaltung ab. Dafür fällt das Abblendlicht in dieser dunklen Januarnacht positiv auf. Allerdings muss man mit zwei Personen die Klimaanlage eingeschaltet lassen, damit bei diesem Schietwetter die Scheiben beschlagfrei bleiben.

Die Verarbeitung macht durchweg einen guten Eindruck, kein Knarzen oder Knistern. Das verwendete Hartplastik - plastic fantastic - verströmt keine Noblesse, aber macht einen guten Eindruck und da das Fahrzeug öfter mal offen steht, können Staub und Sonne den Oberflächen wenig anhaben. Das Styling ist adrett und die Instrumentierung und Platzierung der Bedienelemente intuitiv - soweit alles Big in Japan. Offiziell ist dies ein Viersitzer, was sich in der Praxis als Scherz erweist. Maximal zwei kleine Kinder könnte man hinten unterbringen, aber auch das wäre schon eine Strafe. Praxisgerecht kann man eigentlich nur einen mittelgroßen Hund auf die Hinterbank verweisen. Aber zwei Menschen, auch gern bis 1,90 Meter Größe, fühlen sich auf den straffen Sitzen vorn bestens untergebracht. Das Fahrwerk des Fronttrieblers ist sehr gut gelungen, nur zur Sicherheit ist ESP in der Invite-Ausstattung serienmäßig an Bord.

Zu vergleichbaren Konkurrenzmodellen stellt Mitsubishi einen Abstand zwischen 1.500 und 2.400 Euro her und ist daher aktuell der Preisführer. Das Einstiegsmodell 1.5 MPI steht ab 16.990 Euro in der Preisliste. Unser Testwagen - werkseitig plant man, diese Variante am häufigsten zu verkaufen – in der Ausstattungsvariante Invite läd ab18.990 Euro zum Einsteigen ein. Für den Turbo, die Topmotorisierung, werden ab 22.990 Euro fällig, wobei dann bis auf eine Metallic- oder Perleffekt-Lackierung alles drin und dran ist. Insgesamt ein tolles Auto: Dieser Colt hat auf jeden Fall nicht, was ein Colt nie haben sollte: Ladehemmung.

-r2m/Christoph Anders