Innenraumreinigung: So bleiben keine unliebsamen Urlaubserinnerungen zurück

Verreisen mit dem eigenen Auto war schon immer beliebt. In Zeiten von Corona umso mehr. Allerdings so eine ausgiebige Urlaubstour hinterlässt bisweilen tiefe Spuren an Ex- und Interieur. Während sich der angesammelte Ferienstaub am Blechkleid in der Waschstraße zumeist schnell und unkompliziert entfernen lässt, sieht es im Fahrzeuginneren oftmals gruselig aus. Damit aus hartnäckigen Schmutzresten keine bleibenden Schäden werden, ist professionelles und systematisches Reinigen angesagt. Dazu rät der TÜV-Süd und gibt Tipps wie es am besten geht.


Die Profireinigung in der Fachwerkstatt kann viel Mühe, Zeit und mitunter auch Geld sparen

Auch wenn es ein schöner Urlaub war, ist das liebe Urlaubsgefährt häufig regelrecht übersät mit unliebsamen Reiseerinnerungen. Zurück Zuhause offenbart bereits ein schneller Blick in den Innenraum das ganze Ausmaß: der halbe Strand im Fußraum, Schokoladenflecken auf den Sitzen, Krümel in den Ledernähten oder klebriger Blütenstaub auf dem Armaturenbrett. Von kleinen Brandlöchern im Sitzpolster durch heruntergefallene Kippen oder übel riechenden Alkoholplacken durch den verschütteten Urlaubscocktail mal ganz zu schweigen.

„Alles kein Problem“, beruhigt Karsten Graef vom TÜV-Süd. Und der Experte weiter: „Mit ein bisschen Systematik, ein paar Tricks und etwas Zeit lassen sich solche unliebsamen Reiserinnerungen tilgen.“ Bevor mit der Reinigung des Innenraums begonnen wird, sollten jedoch einige wichtige Reinigungsutensilien griffbereit liegen. Dazu zählen laut dem TÜV-Süd Staubsauger, Glasreiniger, Polsterschaum, eventuell Lederpflege, Kunststoffpflegemittel, Fleckenwasser, ein Schwamm, Bürsten (Zahnbürste für kleine Ecken und Winkel) sowie ein Microfasertuch.

Graef: „Profis beginnen die Putzaktion stets von oben nach unten.“ Den Dachhimmel aus Stoff säubert man am besten mit dem Staubsauger, vorher auf jeden Fall die Bürsten auf Sauberkeit kontrollieren. Dann sollten die Fußmatten entfernt, danach der gesamte Innenraum gründlich ausgesaugt und anschließend Luftschlitze, Lehnen, Handschuhfach und Aschenbecher mit einem feuchten Lappen oder mit einem neutralen Reiniger geputzt werden. Wichtig: Bei der Reinigung den Kofferraum nicht vergessen. Gerade hier und insbesondere in der Reserveradmulde sammelt sich schnell viel Schmutz.

Generell sind Seifen oder Reiniger mit milden waschaktiven Substanzen empfehlenswert. „Die Tenside in Haushaltsreinigern sind meist zu aggressiv. Die reinigen zwar gründlich, schädigen aber später die Substanz“, erklärt Graef. Im Gegensatz zu Haushaltsmitteln bieten spezielle Kfz-Reiniger für Kunststoffteile einen UV-Schutz. „Der ist wichtig, da die meisten Fahrzeuge draußen oft in der Sonne stehen. Ohne UV-Schutz kann der Kunststoff schneller altern, ausbleichen und dadurch grau und unansehnlich werden“, sagt Graef weiter.

Um Kunststoffteile auf Hochglanz zu polieren oder matte Oberflächen aufzufrischen, bietet der Handel unzählige Mittelchen und Sprays an. Für welches man sich entscheidet, ist nicht allein eine Frage des Geschmacks und des Preises. Einige Reiniger greifen das Material, insbesondere die Sollbruchstellen der Airbags an, können sie porös machen und irreparabel beschädigen. Graef: „Es empfiehlt sich daher an uneinsichtigen Stellen die Materialverträglichkeit vor Anwendung zu prüfen.“

Gerade für die Pflege des Armaturenbretts reicht meistens aber auch schon klares Wasser und ein sauberes, fusselfreies Tuch. Sollte so im Einzelfall mal der Schmutz nicht verschwinden, einfach ein lösungsmittelfreies Cockpitspray direkt auf den Schwamm sprühen, die Kunststoffteile einreiben und mit einem Microfasertuch nachpolieren.

Hundehaare, Filzstifte, Schokolade oder Kaugummi sind ebenfalls natürliche Feinde eines gepflegten Interieurs und erfordern eine Spezialbehandlung. „Wer Tierhaaren mit Wasser zu Leibe rückt, erreicht lediglich, dass die Haare ins Polster einziehen. Hier helfen nur ein starker Staubsauger und eine Gummibürste“, schildert Graef seine Erfahrungen. Kleinen Filzstift-Kunstwerken begegnet man am besten mit Fleckenentfernern aus dem Drogeriemarkt.

Schokoladenreste sollten zunächst vorsichtig mit einer Bürste entfernt werden, bevor man den Fleck mit einem Tuch auftupft. Bloß nicht reiben. Bei hartnäckigen Flecken auf Textiloberflächen hilft dagegen nur ein Fleckenentferner. Den berühmten Kaugummi im Polster oder auf dem Teppich vereist man zunächst mit einem Kältespray, bevor man ihn vorsichtig aus den Fasern bricht.

Gegen Milch, Urin, Blut oder Erbrochenes helfen biologische Reiniger mit Mikroorganismen. Die werden auf die Stelle gesprüht und fressen alles Organische rückstandslos auf. Nach ein bis zwei Tagen ist die entsprechende Stelle sauber sowie geruchsfrei und die Mikroorganismen sterben ab. Bei verschmutzten Ledersitzen reicht häufig ein bisschen Sattelseife, um den Schmutz zu entfernen. Das Reinigen erfolgt einfach mit einem Schwamm oder einer Lederbürste.

Achtung, Unfallgefahr! Wenn bei der Reinigung des Innenraums Kunststoffpflegemittel auf die Pedale, das Lenkrad oder die Handbremse gelangen, ist äußerste Vorsicht geboten. „Cockpit-Sprays beispielsweise machen das Material zwar geschmeidig, aber auch spiegelglatt“, warnt der TÜV-Süd-Experte abschließend.

Wem das alles zu mühselig oder zu unsicher ist, kann seinen Wagen auch in einem Kfz-Meisterbetrieb fachmännisch reinigen lassen.

Quelle: TÜV-Süd, Foto: AdobeStock