Keyless Entry: Wenn der Autoschlüssel gehackt wird

Die Fahrzeugtür manuell aufließen ist ja sowas von gestern. Wie in so vielen Dingen des täglichen Lebens, ist die Sache mit dem Autoschlüssel längst elektronisch geregelt. Keyless Entry heißt das Zauberwort. Jetzt warnt der ADAC allerdings vor eklatanten Sicherheitslücken bei den schlüssellosen Zugangssystemen zum Auto.


In einem Test an mehr als 250 Modellen stellte der ADAC Sicherheitslücken bei Keyless-Entry-Systemen fest

Laut dem ADAC sind Autos und Motorräder mit dem Komfort-Schließsystem „Keyless“ meist deutlich leichter zu stehlen als Fahrzeuge mit normalem Funkschlüssel. Das zumindest zeigt eine Untersuchung des Verkehrsclubs an mehr als 250 Modellen. Mit einer selbst gebauten Funk-Verlängerung konnten die ADAC-Sicherheitsexperten nahezu alle untersuchten Fahrzeuge sekundenschnell entsperren und damit wegfahren.

 

Die Sicherheitslücke bei den Komfort-Schlüsseln erleichtere Dieben das Handwerk ungemein: Sie müssten sich nur mit einem kleinen Gerät in die Nähe des Auto- oder Motorradschlüssels begeben - und mit einem zweiten Gerät in die Nähe der Autotür beziehungsweise des Motorrads. Schon würden die Reichweiten der Signale hunderte von Metern „verlängert“ und das Auto ließe sich ebenso öffnen wie die Lenkerschlösser der Zweiräder. Mit allen Fahrzeugen könne weggefahren werden. Das ginge auch dann, wenn der Schlüssel im Haus läge oder der Besitzer mit Schlüssel in der Hosen- oder Jackentasche ein Lokal besuche, warnt der ADAC eindringlich. 

 

Damit aber nicht genug. Die bestohlenen Fahrzeugbesitzer laufen überdies Gefahr, stellen die ADAC-Fachleute fest, ein zweites Mal zum Opfer zu werden: Wenn ein Dieb den Motor eines gestohlenen Autos oder Motorrads abwürgt, kann er ihn mangels Schlüssel nicht wieder starten - und flüchtet. Wird das Fahrzeug dann von der Polizei aufgefunden und untersucht, gibt es keine Aufbruchs- oder sonstige Diebstahlspuren. Das kann schnell zu dem Verdacht führen, der Besitzer habe den Diebstahl nur vorgetäuscht, um Versicherungsbetrug zu begehen.

Der ADAC fordert die Auto- und Motorradhersteller daher auf, die gesamte Fahrzeugelektronik systematisch so abzusichern, wie dies in anderen IT-Bereichen längst Standard ist (idealerweise zertifiziert nach Common Criteria). Fahrzeuge mit Keyless-Schließsystem dürfen nicht deutlich leichter zu stehlen sein als Pendants mit normalem Funkschlüssel. Und: Für Besitzer betroffener Fahrzeuge muss es Abhilfe geben.

 Quelle: ADAC, Foto: Fotolia