Offene Legende: MX-5


Mazda MX-5 - Knackiger Spaß - gib' Gas!

Foto: Mazda

Die Wiederentdeckung einer Jugendliebe

Wer behauptet, man benötige sechs oder acht Zylinder für echte Lust am Steuer eines offenen Roadsters, irrt ganz beträchtlich, denn der MX-5 kann es auch mit nur vier Töpfen. Auch sonst ist eigentlich alles recht normal an diesem Fahrzeug, nur das, was dabei herauskommt, ist keineswegs gewöhnlich. Der Wagen gibt bei der Bedienung keinerlei Rätsel auf, nur nach der Entriegelung der Tankklappe muss man suchen. Der Testwagen, ein MX-5 der dritten Generation, ist ganz vorsichtig gewachsen. Länge und Höhe legten um 20, die Breite um 40 Millimeter zu. Auch die Spurweiten vorne und hinten und die Räder wuchsen. Aus 320 Entwürfen von Design-Studios in Hiroshima, Frankfurt und Kalifornien wurde dieser eine ausgewählt. Und das Ergebnis wünscht man sich öfter: Er wurde nicht viel größer, nicht fetter, nur dezent moderner. Die ausgestellten Radkästen stehen dem Wagen gar nicht schlecht. Erst war ich über den Verlust der schon 1998 mit der zweiten Generation abgeschafften Klappscheinwerfer erneut traurig, aber es passt doch alles gut zusammen. Überhaupt sind die Proportionen perfekt, alles wirkt ausgeglichen und zeitlos. Dieses Fahrzeug wird nie aus der Mode kommen und zeugt in jeder Hinsicht von gutem Geschmack. Ob er sich fährt wie damals?


Der MX 5 war Ende der 80er der erste kaufbare Roadster, nachdem die englischen Hersteller die Produktion von Triumph, MG & Co. aufgrund verschärfter Sicherheits- und Abgasbestimmungen eingestellt hatten. Einzig ein Alfa Romeo Spider war noch ab Werk zu haben. In ein Golf- oder gar Ford Escort-Cabrio hätte ich mich nie gesetzt. Ich fuhr einen MX-5 Miata erstmals 1990, im Jahr nach seinem Debüt - und verliebte mich prompt. Der Jahrgang 2007 der MX-5-Familie basiert nun auf der Bodengruppe des Mazda RX-8 und ist mit den Motoren MRZ I4 mit 16 Ventilen ausgestattet. Der ist als 1,8 Liter ein kernig, sportlicher Treibsatz, der gut am Gas hängt. Seine 126 PS treiben die ganz knapp über 1,1 Tonnen wie nichts vor sich her, im MX 5 mit 2-Liter-Motor übernehmen das sogar 160 Pferdchen. Die Reife des mittlerweile über 800.000 Mal gebauten Flitzers erreichen nur ganz wenige Sportwagen - und schon gar nicht in diesem Preissegment. In dieser Hinsicht ist der MX-5 einmalig. In der 160 PS-Version werden dann tatsächlich zwei oder vier zusätzliche Zylinder entbehrlich, aber auch mit den 126 Pferdchen kommt keine Trägheit auf.


Einstieg: Die recht hohen Schweller sind zu überwinden, für Leute mit Bandscheibenvorfall ist der Einstieg nichts, ein wenig Sportlichkeit kann nicht schaden. Die Materialien innen sind alle hochwertig, das Design gänzlich neu. Ablagen sind im Vergleich zum heutigen Standard Mangelware und auch der Kofferraum ist winzig, wenngleich nun eine Getränkekiste hineinpasst. Der Innenraum ist knapp bemessen, zwei Menschen bis 1,85 Meter sitzen bequem. Der Ausblick hinter dem Lenkrad über die Motorhaube ist super, wobei besonders die markante Hutze in der Mitte ins Auge fällt. Zusammen mit der metallic-grünen Lackierung des Testwagens und der niedrigen Sitzposition komme ich mir vor, wie in einem geschrumpften Jaguar. An die niedrige Sitzposition muss man sich erst gewöhnen: Erstmals blicke ich zu einem Golf wirklich auf. Auch beim Überfahren grober Unebenheiten ist das Monocoque absolut verwindungssteif und nichts an dem Wagen knistert, knarrt oder klappert. Ebenso wie ein beherzter Tritt aufs Gaspedal mächtig Vortrieb erzeugt, agiert auch die Bremse. Mit einem relativ harten Druckpunkt kommt sie echt zur Sache, falls man Verzögerung befielt.


Absolute Sahne - und das war auch schon im ersten Miata der Fall - ist das Getriebe: Der Arm liegt locker auf der Mittelkonsole auf und mit zwei Fingern ordnet man die sauber geführten Gänge mit einem sehr kurzen Schaltknüppel, der wie durch Butter fährt. Das Handling ist in jeder Hinsicht ein Vergnügen. Eine scharf gefahrene Kurve auf nassem Pflaster ermöglicht bei abgeschaltetem ESP einen sauberen Power Slide mit ausbrechendem Heck und Gegenlenken. Nun genau dieses Feeling will mancher, der diesen Roadster erwirbt - Motor vorn, Antrieb hinten - ja gerade haben. Warmduscher lassen das ESP eingeschaltet und bleiben von derartigen Adrenalinschüben verschont, auch wenn das ESP ein wenig Leine gibt und nicht sofort eingreift, so dass ein aparter Grenzbereich bleibt.


Während die Fahrer moderner, faltbarer Hardtops und elektrischer Verdecke das staunende Publikum mit surrenden Motoren unterhalten, um ihr Fahrzeug zu enthaupten, bin ich mit dem MX-5 oben ohne längst über alle Berge: Einfach den mittig angebrachten Verschluss lösen, das Dach mit einem Ruck nach hinten kippen - das war es. Von Null auf offen in unter 5 Sekunden. Roadster-like ist es nicht gefüttert und für Schall durchlässig. 24.500 Euronen stehen auf dem Preisschild, das bisher im Handschuhfach schlummerte, die Metallic-Lackierung kostet 540 Euro extra und die Lederausstattung 990. Fazit: Das Spaß-/Euroverhältnis ist einmalig.

-r2m/Christoph Anders-