Auto & Kosten

EU-Reform: Freie Werkstätten profitieren von mehr Transparenz bei Fahrzeugdaten

Mehr Zugriff, mehr Wettbewerb: EU stärkt unabhängige Kfz-Meisterbetriebe und erleichtert mit einer neuen Reglung spürbar den Reparaturmarkt außerhalb der Herstellernetze.

Freie Fachwerkstatt bei der Fahrzeugdiagnose

Brüssel hat den Zugang zu Diagnose- und Wartungsdaten erleichtert. Die Neureglung soll freie Fachwerkstätten gegenüber herstellergebundenen Betrieben konkurrenzfähiger machen

Freie Fachwerkstatt bei der Fahrzeugdiagnose

Brüssel hat den Zugang zu Diagnose- und Wartungsdaten erleichtert. Die Neureglung soll freie Fachwerkstätten gegenüber herstellergebundenen Betrieben konkurrenzfähiger machen

Der Zugang zu Fahrzeugdaten galt lange als neuralgischer Punkt im Wettbewerb zwischen markengebundenen Betrieben und freien Fachwerkstätten.

Mit einer neuen Delegierten Verordnung zur Typgenehmigung EU 2018/858 schafft die Europäische Kommission nun klare Rahmenbedingungen, die unabhängigen Marktteilnehmern deutlich bessere Chancen eröffnen.

Auslöser ist unter anderem ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (C-296/22), das feststellt, dass auch Maßnahmen zur Cybersicherheit den Wettbewerb nicht unverhältnismäßig einschränken dürfen.

Kern der Neuregelung ist ein deutlich erweiterter Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen.

Hersteller werden dadurch verpflichtet, künftig umfassendere Datensätze bereitzustellen.

Dazu zählen etwa detaillierte Informationen zu Hochvoltbatterien in Elektrofahrzeugen, Spezifikationen moderner Fahrerassistenzsysteme sowie Angaben zu Softwareupdates und Variantencodierungen.

Entscheidend ist, dass diese Arbeiten nicht mehr ausschließlich mit proprietären Systemen der Hersteller durchgeführt werden müssen, sondern grundsätzlich auch mit freier Werkstattausrüstung möglich sind.

Parallel dazu wird der Zugang zu den Fahrzeugdaten technisch neu aufgestellt. Neben der klassischen OBD-Schnittstelle müssen Hersteller künftig sämtliche Zugangswege öffnen, die auch ihren Vertragspartnern zur Verfügung stehen, darunter Ethernet-Verbindungen, WLAN und Remote-Zugriffe.

Ergänzend sieht die Verordnung verpflichtende Programmierschnittstellen (APIs) vor, die innerhalb eines Jahres implementiert werden müssen. Sie bilden die Grundlage für neue Geschäftsmodelle wie Ferndiagnosen oder softwaregestützte Wartungsservices.

Gleichzeitig trägt der Gesetzgeber den gestiegenen Anforderungen an die IT-Sicherheit Rechnung. Einheitliche Authentifizierungsverfahren sollen sicherstellen, dass sicherheitsrelevante Eingriffe nachvollziehbar bleiben.

Während einfache Funktionen weiterhin frei zugänglich sind, erfordern tiefergehende Eingriffe eine klare Identifizierung der ausführenden Fachkraft.

Für freie Fachwerkstätten bedeutet die Reform einen strukturellen Fortschritt. Sie erhalten Zugang zu Technologien, die bislang oft exklusiv den Herstellern vorbehalten waren, und können ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend digitalisierten Markt nachhaltig stärken.

Quelle: ZKF, Foto: Coparts

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