Wildunfälle: Jetzt kracht es wieder besonders häufig

Hochbetrieb in Wald und Flur. Im Frühjahr kommt es wieder verstärkt zu Wildwechsel. Bis weit in den August hinein ist die Unfallgefahr groß, kracht es besonders häufig. Erschreckend: Rein statisch kommt es durchschnittlich etwa alle zweieinhalb Minuten zu einem Zusammenstoß zwischen Auto und wildem Tier. Speziell während der Morgen- und Abenddämmung ist höchste Vorsicht geboten, warnt der TÜV-Süd.


Mit den immer weitreichenderen Lockerungen nach dem Corona-Stillstand nehmen nun öffentliches Leben und damit auch der Verkehr, Ausflüge oder gar Urlaubsreisen mit dem Auto wieder deutlich zu. Gerade jetzt, bedingt durch das sommerliche Wetter, die Paarungszeit und das Markieren der Reviere, geht es auch bei etlichen Tierarten hoch her. Dabei gilt: Reh und Wildschwein kommen selten allein.

Laut dem ADAC machen Wildunfälle, also Unfälle bei denen am Fahrzeug Schäden durch Ausweichen oder den Zusammenstoß mit einem Tier (Haarwild) entstehen, ca. fünf Prozent aller Straßenverkehrsunfälle aus. Jedes Jahr meldet das Statistische Bundesamt mehr als 270.000 Wildunfälle. Letztes Jahr kamen dabei mehr als 2.500 Menschen zu Schaden. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ließen jedes Jahr zudem mehr als eine Million Wildtiere bei Unfällen ihr Leben. Die meisten Kollisionen gibt es mit Rehen. Unfälle mit Wildschweinen nehmen laut DJV jedoch weiter stark zu.

„Vor allem nach Wildwechsel-Schildern sollte man langsam fahren und auf die Fahrbahnränder achten“, sagt TÜV-Süd-Experte Marcellus Kaup. Wer statt Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt seinen Anhalteweg um 40 Prozent, also um 34 Meter. Kaup: „Befinden sich Tiere bereits auf der Fahrbahn, heißt es umsichtig bremsen, abblenden und hupen.“ Außerdem sollten Autofahrer stets mit mehreren Tieren aus einem Rudel rechnen.

Der TÜV SÜD-Fachmann rechnet vor: „Schon bei 50 Kilometern pro Stunde (km/h) entwickelt ein 20 Kilogramm schweres Reh ein Aufprallgewicht von knapp einer halben Tonne. Das entspricht dem Gewicht eines Pferdes.“ Besteht das Risiko, den Gegenverkehr zu gefährden, im Straßengraben zu landen oder gar gegen einen Baum zu prallen, sollten Autofahrer keinesfalls versuchen, dem Wild auszuweichen. Was dann passieren kann, ist kaum kalkulierbar.

Wenn es trotzdem kracht: „Notruf 110 wählen“, rät Kaup und die Unfallstelle sichern. Die Polizei informiert den Jagdpächter, der sich um das angefahrene Tier kümmert. Selbst sollte man das Tier nicht anfassen und schon gar nicht das Tier in den Kofferraum laden, das gilt als Wilderei. Die Polizei stellt eine Bescheinigung für die Versicherung aus. Kaup: „Zudem helfen Smartphone-Fotos von der Unfallstelle, um Ansprüche auf Schadensersatz zu untermauern.“

Dann heißt es, sich um das eigene Auto zu kümmern. Weiterfahren? Kommt auf die Schäden an. Ein Abschleppdienst ist notwendig, wenn Öl oder Kühlwasser austreten. Doch schon nach weniger schweren Kollisionen kann das Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher sein, etwa im Dunkeln mit kaputten Scheinwerfern. „Selbst nach Kollisionen mit kleineren Tieren wie Hasen oder Füchsen, wenn oberflächlich gar nichts zu sehen ist, sollte man sein Auto penibel in Augenschein nehmen“, legt der TÜV-Süd-Fachmann Autofahrern ans Herz.

Moderne Fahrzeuge sind am Unterboden großflächig mit Kunststoff verkleidet. Diese Platten splittern beim Überrollen, reißen sich los und können anschließend an Reifen oder Fahrwerksteilen scheuern sowie andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Eine Gefährdung liegt auch vor, wenn die Frontscheibe beschädigt wurde und keine einwandfreie Sicht mehr gegeben ist. Selbst wenn der Schaden nicht gleich bemerkt wird oder sofort sichtbar ist, sollte nach einem Wildunfall besser ein Fahrzeugcheck in der Fachwerkstatt durchgeführt werden. Sicher ist sicher!

Quelle: TÜV-Süd, Foto: AdobeStock