Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Auf einmal tauchen Scheinwerfer direkt voraus auf – aus der falschen Richtung. Geisterfahrer gehören zu den größten Risiken auf der Autobahn, weil hohe Geschwindigkeiten und völlige Überraschung aufeinandertreffen.
In Deutschland wird jedes Jahr laut dem ACE rund 2.000 mal vor Falschfahrern gewarnt, doch glücklicherweise endet nur ein Teil dieser Meldungen in einem Unfall – wenn es kracht, sind die Folgen jedoch zumeist verheerend.
Noch erschreckender: Eine aktuelle Auswertung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) spricht gar von 46 Prozent beabsichtigten Falschfahrten. D. h., fast jede zweite Falschfahrt wird bewusst begonnen.
Manche Fahrer wenden im fließenden Verkehr, weil sie eine Ausfahrt verpasst haben, andere flüchten vor der Polizei oder wollen sich das Leben nehmen.
Gleichzeitig taucht dem ACE zufolge eine zweite Risikogruppe auf: Ältere Verkehrsteilnehmer, häufig mehr als 75 Jahre alt, die sich an komplexen Anschlussstellen verirren, an Rastplätzen falsch auffahren oder aufgrund von Verwirrtheit und Demenz die Orientierung verlieren.
Geisterfahrten sind demnach also selten reine „Pechmomente“, sondern vielmehr das Resultat aus bewusster Regelverletzung, Überforderung und verhängnisvollen Entscheidungen.
Doch der ACE berichtet auch von unabsichtlichen Falschfahrten, die im Alltag schneller passieren, als vielen lieb ist.
Unübersichtliche Beschilderung, ungewöhnliche Verkehrsführungen an Baustellen, schlechte Sicht oder Ablenkung genügten laut ACE bereits, um an einer Auffahrt oder einem Autobahnkreuz in die falsche Richtung zu rollen.
Besonders kritisch seien Auf‑ und Abfahrten sowie Rastplätze – hier entscheiden wenige Sekunden Aufmerksamkeit darüber, ob jemand regulär einfädelt oder zur lebensgefährlichen Bedrohung für wird.
Wer im Radio oder auf der Info‑Tafel vor einem Geisterfahrer gewarnt werde, stehe indes selbst unter Stress – und müsse trotzdem kühlen Kopf bewahren.
Fachleute raten, die Geschwindigkeit kontrolliert zu reduzieren, den Sicherheitsabstand zu vergrößern, sich strikt rechts zu halten, Überholmanöver zu unterlassen und die Warnblinkanlage einzuschalten, um andere zu sensibilisieren.
Idealerweise verlässt man den gefährdeten Abschnitt so schnell wie möglich über die nächste Ausfahrt oder einen Rastplatz, ohne riskante Manöver zu starten.
Wer einen Geisterfahrer sieht, sollte sofort die Polizei informieren, möglichst präzise Angaben zu Ort und Fahrtrichtung machen und auf keinen Fall versuchen, das Fahrzeug selbst zu stoppen.
Stellt jemand fest, dass er selbst in falscher Richtung unterwegs ist, müsse er erst recht besonnen handeln. Die ACE-Experten raten, keinesfalls zu wenden oder rückwärts zu fahren, sondern sofort die Geschwindigkeit zu reduzieren, Licht und Warnblinker einzuschalten und so weit wie möglich nach rechts bis an die Leitplanke zu fahren.
Danach heißt es: Warnweste an, hinter die Leitplanke flüchten und die Polizei alarmieren. Juristisch ist die Sache dem ACE zufolge ebenfalls kein Kavaliersdelikt:
Wer entgegen der Fahrtrichtung auf der Autobahn unterwegs ist, erfüllt in der Regel den Tatbestand der Gefährdung des Straßenverkehrs, muss mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren sowie einem Fahrverbot oder Führerscheinentzug rechnen.
Bei vorsätzlichen Falschfahrten und Unfällen können die Konsequenzen noch deutlich härter ausfallen.
Quelle: ACE, Foto: AdobeStock







