Der Winter hat Deutschland fest im Griff, Nächte mit zweistelligen Minusgraden sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Was für Bilderbuch-Winterlandschaften sorgt, bedeutet für moderne Motoren knallharten Alltagseinsatz.
Eiskalte Starts am frühen Morgen, dazu Kurzstreckenverkehr zwischen Kita, Büro und Supermarkt – ein Szenario, das dem Triebwerk mehr zusetzt als so mancher Alpenpass im Sommerurlaub.
Denn beim Kaltstart ist das Motoröl noch dickflüssig, zäh, die schützende Schmierschicht baut sich verzögert auf. Experten von TÜV-Süd sprechen nicht umsonst davon, dass harte Kaltstarts Gift für jeden Antrieb sind.
Wer direkt nach dem Drehen des Zündschlüssels oder Druck auf den Startknopf beherzt aufs Gaspedal tritt, riskiert erhöhten Verschleiß an Lagern, Kolben und Zylinderlaufbahnen.
Besser also den Motor beim Kaltstart nicht hochdrehen lassen, sondern möglichst behutsam mit dem Gaspedal umgehen. Auf den ersten 15 Kilometern möglichst nicht mit mehr als 2.500 Umdrehungen pro Minute fahren. Erst dann ist das Öl so warm, dass höhere Drehzahlen laut den TÜV-Süd-Experten unschädlich sind.
Besonders kritisch wird es in der aktuellen Winterlage mit Temperaturen bis nahe minus 15 Grad in vielen Regionen Deutschlands – dann steigt die Zeit, bis das Öl alle Schmierstellen erreicht, spürbar an.
Die richtige Qualität des Motoröls entscheidet damit in diesen Wochen mehr denn je über Motor-Gesundheit und Langzeit-Haltbarkeit. Maßgeblich sind die Viskositätsangaben wie etwa 0W-40 oder 5W-40 auf dem Kanister – die Zahl vor dem W beschreibt, wie gut das Öl bei Kälte fließt, je kleiner die Zahl, desto wintertauglicher der Schmierstoff.
Ein 0W-Öl bleibt selbst bei Temperaturen um minus 30 Grad noch ausreichend flüssig, ein 5W-Öl funktioniert in der Regel bis etwa minus 25 Grad, während klassische 15W-Öle schon bei deutlich moderaterem Frost an ihre Grenzen kommen.
Für die aktuelle Frostperiode empfehlen Fachleute deshalb meist synthetische Mehrbereichsöle mit niedriger Winterzahl, die dank Additiven sowohl bei strenger Kälte als auch im Sommeralltag funktionieren.
Genauso wichtig wie das passende Öl ist die Fahrweise in der Warmlaufphase. Nach dem Starten sollte der Motor zunächst ein paar Sekunden im Leerlauf laufen, bis sich die Drehzahl stabilisiert, dann geht es mit sanftem Gasfuß los. In den ersten zehn bis fünfzehn Minuten – je nach Modell, besonders bei Dieseln – maximal mit etwa der halben Nenndrehzahl zu fahren und auf hohe Last zu verzichten.
Tabu ist es, das Auto im Stand warmlaufen zu lassen: Das schadet der Umwelt, kostet Sprit und kann zudem ein Bußgeld nach sich ziehen.
Die wichtigste Adresse bleibt dabei das Fahrzeughandbuch: Dort steht, welche Ölqualität und Viskositätsklasse der Hersteller für winterliche Bedingungen freigibt – ist diese Freigabe vorhanden, darf es auch die günstige Dose aus dem Zubehörregal sein.
Im Zweifel in der Fachwerkstatt des Vertrauens nachfragen und das passende Motoröl statt vorschnell und vermeintlich günstig als Aktionsware im Supermarkt zu erwerben, sich besser im gutsortierten Kfz-Meisterbetrieb fachmännisch beraten lassen.
Quelle: TÜV-Süd, Foto: Coparts






