Technik & Trends

Multitasking – hinterm Steuer brandgefählich

Nur noch schnell die Mail checken – während der Autofahrt keine gute Idee. Unsere ohnehin reizüberflutete Welt macht selbstverständlich nicht vor dem Fahrzeuginnenraum halt. Für kritische Ablenkung sorgen neben Smartphone und Co. noch zig weitere Info-Quellen. Das sogenannte Multitasking kann sehr schnell sehr gefährlich werden – davor warnen jetzt die Unfallforscher der Prüforganisation Dekra wieder eindringlich.

Fahrer guckt während der Fahrt aufs Handy

Vorsicht: Wer vom Verkehr weg aufs Display schaut, nimmt zentrale Informationen nur noch am Rande wahr, etwa ein Kind am Straßenrand, das Stau-Ende oder ein langsames Fahrzeug

Fahrer guckt während der Fahrt aufs Handy

Vorsicht: Wer vom Verkehr weg aufs Display schaut, nimmt zentrale Informationen nur noch am Rande wahr, etwa ein Kind am Straßenrand, das Stau-Ende oder ein langsames Fahrzeug

Telefonieren, Autoradio einstellen, das Navi bedienen, Textmessages lesen oder schreiben –Autofahrer lassen sich am Steuer häufig von der Fahraufgabe ablenken und gehen damit ein erhöhtes Unfallrisiko ein.

„Der Begriff Multitasking mag gut klingen, in Wahrheit ist es nichts anderes als ein Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Aufgaben. Im Job geht das oft auf Kosten der Effizienz und Qualität; beim Autofahren wird es schnell richtig gefährlich, wenn man nicht mit dem Kopf bei der Sache ist“, warnt Stefanie Ritter, Unfallforscherin bei der Dekra.

Und Ritter weiter: „Autofahren heißt Verstehen, Entscheiden, richtig reagieren, und das alles in Echtzeit – selbst in unerwarteten Notsituationen. Dazu brauchen wir 100 Prozent Aufmerksamkeit.“

In vielen Ablenkungssituationen steigt das Unfallrisiko laut einer Allianz-Studie um rund die Hälfte, etwa bei bestimmten Smartphone-Anwendungen, beim Lesen und Schreiben von Textnachrichten oder beim Bedienen der Navigation.

Wer während der Fahrt im Bordcomputer einen ansprechenden Radiosender sucht, erhöht sein Unfallrisiko sogar noch stärker.

Viele scheint das wenig zu beeindrucken. Fast 43 Prozent schließen den Griff zum Mobiltelefon am Steuer nicht aus. Aus Sicht der Unfallforscherin eine riskante Haltung: Wer nur eine Sekunde abgelenkt ist, legt bei Tempo 80 über 22 Meter im „Blindflug“ zurück. Bei Tempo 50 im Stadtverkehr bleibt das Fahrzeug 14 Meter ohne Kontrolle.

Die Vielzahl der Ablenkungsquellen schlägt sich auch in der amtlichen Unfallstatistik nieder, die seit 2021 Ablenkung als Unfallursache separat ausweist. Demzufolge war 2024 im Straßenverkehr bei insgesamt in 8.722 Unfällen Ablenkung die Ursache.

Dabei wurden 106 Personen tödlich und 1.572 schwer verletzt. Unfallforscherin Ritter geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. „Vieles lässt sich im Nachhinein nur schwer oder überhaupt nicht nachweisen.“

Laut StVO dürfen elektronische Geräte wie Smartphone, Touch-Displays oder Navis am Steuer nicht benutzt werden, wenn man das Gerät dazu in der Hand hält. Der Gebrauch ist nur mit Freisprecheinrichtung erlaubt, oder wenn der Motor ausgeschaltet ist.

Verstöße werden mit mindestens 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg geahndet. Bei Unfall werden 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot fällig.

Quelle: Dekra, Foto: AdobeStock

 

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