Kleine Tachoanzeige, großer Schaden. Immer wieder warnen Polizei, Automobilclubs oder wie jetzt das Datenunternehmen Carvertical vor der weit verbreiteten Masche Tachomanipulation.
Bei der aktuellen Analyse des international agierenden Anbieters von Fahrzeug-Historienberichten fielen besonders häufig Oberklasselimousinen und hochwertige SUVs mit verdächtigen Kilometerabweichungen auf.
Doch auch typische Familienautos und Kompaktmodelle seien betroffen – Tachobetrug sei also kein Luxusproblem, sondern erreiche den ganz normalen Alltagsgebrauchtwagen.
Insbesondere für private Autokäufer sei Tachomanipulation vor allem deshalb so heimtückisch, weil man sie in vielen Fällen nicht sehe – die Folgen aber jahrelang teuer bezahlen müsse.
Entscheidend dabei ist: Ein manipulierter Tacho bedeutet fast immer einen deutlich zu hohen Kaufpreis, oft mehrere Tausend Euro zu viel, und zusätzlich ein unkalkulierbares technisches Risiko.
Wer ein angeblich „wenig gelaufenes“ Auto kauft, verschiebt womöglich fällige Inspektionen nach hinten, lässt Zahnriemen, Bremsen oder Fahrwerk später prüfen – im Extremfall endet das in einem Motorschaden oder sicherheitsrelevanten Defekten, die niemand eingeplant hat.
Der ADAC geht auf Basis von Ermittlungen und eigenen Tests sogar davon aus, dass bei etwa jedem dritten hier verkauften Gebrauchtwagen der Kilometerstand manipuliert wurde.
Besonders hoch sei das Risiko bei Importfahrzeugen: Wenn ein Auto mehrere Länder durchlaufen habe, seien frühere Laufleistungen oft nicht lückenlos dokumentiert, sodass ein „verjüngter“ Tacho weniger auffalle.
Die Technik spielt den Betrügern in die Hände. Moderne Manipulationsgeräte sind legal im Handel erhältlich, kosten ab etwa 150 Euro und werden einfach an die gesetzlich vorgeschriebene Diagnosebuchse (OBD) im Auto gesteckt.
In ADAC-Tests sprang der Kilometerstand nach Anschluss solcher Geräte bei vielen Modellen innerhalb weniger Minuten auf einen beliebigen Wert – ohne dass Schrauben gelöst oder Teile ausgebaut werden mussten.
Für Käufer heißt das: Ein gepflegter Innenraum oder ein „seriöser Eindruck“ des Verkäufers reichen nicht als Sicherheitskriterium, weil die eigentliche Manipulation tief in der Elektronik versteckt ist.
Rechtlich ist die Lage klarer als die Praxis. Tachomanipulation ist in Deutschland seit 2005 ausdrücklich verboten, der Missbrauch von Wegstreckenzählern kann nach § 22b StVG mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden
Wer ein Auto mit absichtlich gefälschtem Kilometerstand verkauft, begeht zusätzlich Betrug; hier drohen im Extremfall sogar bis zu fünf Jahre Haft.
Für Opfer eröffnet das Chancen: Bei nachgewiesener Arglist können Sie den Kaufvertrag anfechten, vom Vertrag zurücktreten oder Schadenersatz verlangen. Das Problem ist nur, dass der Nachweis aufwendig und oft nur mit Sachverständigen möglich ist – und viele Betroffene den Betrug erst Jahre später bemerken, wenn Belege fehlen oder der Wagen längst weiterverkauft ist.
Was können private Käufer also konkret tun? Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber Sie können das Risiko deutlich senken, indem Sie misstrauisch werden, sobald Kilometerstand, Preis und Gesamteindruck nicht zusammenpassen.
Weitere Indikatoren: Passen Verschleiß von Lenkrad, Sitzen, Pedalen und Schaltknauf zum angeblichen Tachostand, sind Inspektionsheft, HU- und AU-Berichte sowie alte Reparaturrechnungen lückenlos und dokumentieren auch zeitlich nachvollziehbare Kilometerstände.
Angebote, bei denen Unterlagen „zufällig“ fehlen, sollten ohnehin umgehend verworfen werden.
Wer zusätzlich vor dem Kauf einen unabhängigen Gebrauchtwagen-Check bei Prüforganisationen, Sachverständigen oder der Fachwerkstatt des Vertrauens einplant, investiert zwar zusätzlich etwas Geld – spart im Zweifel aber ein Vielfaches und minimiert das Risiko, ein manipuliertes Auto zu kaufen.
Quelle: ADAC, Carvertical, Foto: ADAC







